Im Laufschritt verlassen die Helden in einer taktisch klugen
Erkundungsmission ins Hinterland die pilzverseuchte Höhle, und blinzeln im
schnell schwindenden, nach der Düsternis der Höhle aber dennoch grellen
Tageslicht. Kurz wird sich der Kopf und die Moral zermartert, ob man es
angesichts der verschleppten Wächter riskieren kann, zum Schneehasen zu reisen.
Das Argument, das halbtote Helden nur schwerlich jemanden retten können, und
wohl eher selbst im Pilzgespinst verenden würden, wiegt aber schwerer, und die
Rückreise wird angetreten.
Am Heimweg sichtet die Gruppe unweit des Ortes, wo sie den
Kampf gegen die Wölfe an der Leiche des Ettins hatten eine Wyvern, die weit
voraus friedlich aus dem Fluss trinkt. Alle ducken sich ins Unterholz, bis sie
die Flügel ausstreckt, laut rauschend abhebt und mit einem klagenden Schrei in
Richtung Berge abdreht. Dieser Wald ist gefährlicher als gedacht. Nach einigen
Stunden Fußmarsch ist das Ende der Reise fast erreicht, aber auch das Ende von
Jolnies Reserven, er strauchelt nur noch so vor sich hin, den Blick apathisch
auf die Füße gerichtet. Als hinter einer fernen Biegung im Tal die Lichter des
Schneehasen in Sicht kommen, macht er einen Laut, der kaum weniger klagend ist
als der Schrei der Wyvern, verkrampft sich und stürzt in den Dreck, wo er stöhnend
liegend bleibt. Kamba lädt sich den diesmal kaum protestierenden Gnom auf die
Schultern wie einen magischen Rucksack, und die Gruppe bewältigt die letzten
hundert Meter, nach diesem Zwischenfall in ihrer Entscheidung sich
zurückzuziehen massiv bestärkt.
Schon an der Tür treffen sie einen sichtlich gesundeten
Marl, der irgendwie anders wirkt als vorher, irgendwie weniger heilig, dafür
kriegerischer, und kein bisschen weniger eifrig und garantiert kampfbereit. Er
will die ganze Geschichte sofort hören. Der Auserwählte Helms wird auf den
neuesten Stand gebracht, und Jolnie auf sein Zimmer. Ebenfalls auf den neuesten
Stand gebracht wird die ranghöchste überlebende Wache, Tillstan. Und zwar von
Imrik, der ihm auch die Marken der toten Wachen aushändigt. Diese dreht der
bärtige, feiste Kerl nachdenklich in den Händen, äußert vage Hoffnung, dass
Purian eventuell noch lebt, und versichert, dass bis spätestens morgen Abend
Verstärkung aus Tiefwasser eintreffen wird. Imrik nimmt das zur Kenntnis.
Der heutige Abend vergeht im Schneehasen, wo Vaela und
Jolnie es sich in den Kopf gesetzt haben, Kamba und Thromdar miteinander
anzufreunden, also grantiges Öl mit sozial ungeschicktem Wasser zu mischen.
Entgegen aller Wahrscheinlichkeiten funktioniert das blendend, einige Runden
Bier (für Kamba mit genügend Wasser gemischt) und ein paar moderierte
Gesprächsrunden später ist Thromdar drauf und dran, Kamba in seinen Clan
aufzunehmen. Sie verbrüdern sich per traditionellem Kopfstoß, und nachdem Mönch
und Zwerg wieder vom Boden aufgestanden und bei Sinnen sind, setzen sich alle
an die Bar. Ob es das Bier ist, eine leichte Gehirnerschütterung oder auch
beides, der sonst so mürrische Karawanenwächter schüttet Vaela und Kamba sein
Herz aus. Jolnie hat das Interesse verloren und versucht Imrik einen Streich zu
spielen, der ist aber langweilig und zu aufmerksam. Thromdar jedenfalls ist aus
der Feste Athbar, und sein Clan hat eine lange und gleichsam glorreiche wie
tragische Geschichte, gezeichnet von vielen Schlachten über und unter der Erde,
heroischen letzten Gefechten und epischen Sagas. Wie die meisten Zwergenclans,
wenn man es genau nimmt. Vaela kann zwischen den Zeilen lesen, dass hier viel
nicht aufgearbeitete Trauer und Scham vorhanden sind, und dass der Verlust
vieler Freunde wohl der Grund ist, warum Thromdar Karawanenwächter geworden
ist. Sie zieht sich etwas zurück, setzt sich an die Schank, und beginnt sich
Notizen in ihrem Gesangsbuch zu machen.
Marl kommt irgendwann in heiliger Mission in den
Sündenpfuhl, von allen anderen Schankraum genannt, und da Kamba
überraschenderweise nicht betrunken ist, schwenkt er seine heilige Entrüstung
auf Imrik um, der gerade Jolnie losgeworden ist. Konfrontiert mit einer
heiligen Tirade gegen die Trunkenheit seufzt der Waldläufer laut in sein Bier,
und steuert das Gespräch dann sanft innerhalb des Themas in eine andere
Richtung. Er lernt einiges über Helm, vieles auch tatsächlich interessant, Marl
kennt sich ja aus. Nachdem Imrik seiner Meinung nach ausreichend missioniert
wurde, fängt der größte lokale Jünger Helms (um wenige Zentimeter) Vaela am
Rückweg vom Abort ab, und probiert auch hier seine Predigt wider der Laster.
Die Bardin manövriert ihn gnadenlos aus, bringt zu jedem Gebot und jeder Regel
ein Gegenargument, findet Schlupflöcher in der dicksten heiligen Mauer und
demonstriert generell ein Wissen über Religion an sich und Helm im Besonderen,
dass Marl einfach verzückt zurücklässt. Während der Krieger des ewigen Wächters
sich nachdenklich vom mentalen Schlachtfeld und aus dem Schankraum zurückzieht,
fragt der Wirt Vaela, wo sie denn so viel über Helm gelernt hat, dass sie mehr
über den Gott weiß als ein so offenkundig begeisterter und fanatischer Anhänger
wie der Krieger dort. Nirgends, entgegnet sie, während sie noch einige Noten zu
Papier bringt und ihr Buch dann zuklappt, sie kann im Vertrauen gesagt gerade
so Helm von Tempus unterscheiden, aber sie weiß genau, was Marl in welchem
Tonfall hören will. Danach leert sie ihr Glas, nimmt ihr Instrument und lässt
auf ein Mal eine feierliche Weise erklingen, so schwermütig und bedächtig wie
die Berge selbst. Sie handelt von der verlorenen Pracht der Zwerge, und den
gehegten Grollen über den Tod liebgewonnener Gefährten. Aber auch darüber, dass
ein neuer Morgen anbricht, so hell wie Tageslicht, dass in einen alten
Minenschacht scheint wie in das von Trauer verfinsterte Herz eines
Zwergenkriegers, und das man die Toten irgendwann ruhen lassen muss. Thromdar,
der zuerst mit offenem Mund zugehört hat, ist am Ende des Liedes zu Tränen
gerührt, die Moradin sei Dank von seinem Bart aufgefangen werden, bevor sie
sein Bier verwässern. Applaus erfüllt den halb gefüllten Raum, die Gespräche
sind danach aber eher nachdenklich und gedämpft, während alle ihren eigenen
Gedanken nach und früh zu Bett gehen.
Nicht allen ist ruhiger Schlaf gegönnt. Imrik hat, wie immer
unter seinem Deckenhaufen zusammengerollt wie eine Katze, einen grässlichen
Alptraum. Ein gewaltiger Bärenpilz, der ihn geifernd und knurrend durch den
Wald jagt und Pfeile verschlingt als wären sie nicht mehr als Nesselstiche.
Kurz bevor sich die myzeligen Kiefer um sein Bein schließen, schreckt er hoch.
Kurz denkt er der Alptraum geht weiter, bis er das vermeintliche Bärengeräusch
lokalisieren kann. Kamba schnarcht, schmatzt und schnappt nach Luft, während er
sich in den Fängen eines wohl noch schlimmeren Traums auf seinem Lager hin und
her wirft. In seinem Traum sieht er sturmgepeitschte See unter einem
bleifarbenen Himmel, er rast knapp über den Wellen dahin. Mitten in der
Schwärze glimmt ein kleines Licht, dass sich als eine einzelne Laterne am Mast
eine Schiffes herausstellt. Das Auge des Träumers kommt näher, Kamba rast in
weitem Bogen am Schiff vorbei und sieht, dass Blut in Strömen vom Deck rinnt,
wie eine Flut ergießt es sich aus den Türen und sprudelt aus den Luken. Am
Steuer steht eine finstere Gestalt, die sich gegen Wind und Wellen stemmt.
Kamba fliegt auf sie zu, der Steuermann hebt den Kopf und sagt ein einzelnes
Wort, dass sich tief in den Geist des Mönches brennt. Er will etwas erwidern,
doch dann schmelzen die Gesichtszüge des Seemanns zu denen von Imrik, der sich
gerade zu ihm herunter beugt, um ihn zu wecken. Als er merkt, dass das
überflüssig ist, verzieht er sich mit einem leisen Schnauben wieder unter seine
Decken, ohne viel mehr zu sagen. Kamba wartet, bis sein Puls wieder unter dem
eines Marathonläufers beim Härtetraining ist, trocknet sich etwas Schweiß von
der Stirn, und schläft dann traumlos bis zum Morgengrauen.
18.04.
Pünktlich zu diesem ertönt vor allen Zimmern ein
schmetterndes Horn, begleitet von einem extrem lauten und ebenso nervtötend
enthusiastischen „HELM ZUM GRUSSE!“. Von wem muss vermutlich nicht erwähnt
werden. Mehrere Gäste stürmen auf den Gang, um sich über den unwillkommenen
Weckruf zu beschweren. Als sich die Quelle aber als ein fast zwei Meter großer
Krieger herausstellt, finden sich alle schnell damit ab, jetzt wach zu sein.
Alle? Nein, nicht alle. Sowohl Jolnie als auch Imrik beweisen in dieser Extremsituation
massive Härte. Sie schlafen einfach weiter, oder tun sehr überzeugend so, bis
Marl zumindest vorerst die Puste ausgeht. Vaela ordnet ihre Haare, stimmt ihr
Instrument und startet ein zweites, wesentlich melodischeres Morgenkonzert, das
wesentlich mehr Anklang bei den anderen Gästen findet. Als Marl kurze Zeit
später im zweiten Anlauf versucht, alle seine Gefährten mit der Aussicht auf
Frühstück zu wecken, lockt das auch die letzten Schläfer aus den Federn bzw.
Decken. Es gibt Eier, die Hennen haben heute Früh aus irgendeinem Grund alle
gleichzeitig gelegt.
Außer einem herzhaften Frühstück hat dieser Morgen herzlich
wenig zu bieten, es ist trüb und regnerisch, und ein kalter Wind weht von den
Bergen her, Erinnerungen an den kaum überwundenen Winter von den dunklen
Gipfeln schickend. Das Wetter passt aber zum Ernst der Aufgabe, zur Höhle
zurückkehren ist eine grimmige Pflicht, die Chancen noch lebende Grauwanderer
zu finden schwinden jede Minute mehr. Der Weg führt die Helden durch den
schulterhohen Adlerfarn entlang des Bachbettes, und nach kurzer Zeit sind alle
so durchnässt, sie könnten gefühlt genausogut im Wasser weitergehen. Die Laune
ist alles andere als gut, als sich die Gruppe der Stelle nähert, wo sie die
Wölfe bekämpft hat. Dieser Fleck Wald scheint wirklich beliebt zu sein, denn
Imrik bemerkt voraus Bewegung, und lässt die Gruppe innehalten. Aus dem Schutz
des Unterholzes beobachten die Helden aus einiger Entfernung einen Oger, der
seelenruhig mit den Resten eines Speers im nassen Scheiterhaufen vom Vortag
stochert, während er gelegentlich vielversprechende Dinge aufhebt, und mit
Augen wie Nase inspiziert. Einige auch mit der Zunge.
Eine garstige Kreatur des Bösen, deren Zerschmetterung Helm
und den Helden Ruhm und der Gegend Sicherheit bringen wird, meint Marl. Ein
risikoreiches Hindernis, dass Ressourcen und Zeit verschwendet, meint Vaela.
Ihre Meinung setzt sich durch, und die Helden schleichen davon, ohne dass der
Oger jemals geahnt hätte, in welcher Gefahr er geschwebt ist. Der Rest des
Weges ist eher ereignislos, die Helden entspannen sich ebenso wie das Wetter,
also wenig. Einige Sonnenstrahlen durchdringen dennoch das Blätterdach, ohne
aber viel Wärme zu bringen. Kamba fragt Imrik ein bisschen über die Welt aus,
und erzählt, dass er Jolnie zuerst anscheinend für ein Kind gehalten hat. Beide
kommen darauf, dass sie keine Ahnung haben wie Gnomenkinder aussehen,
spekulieren aber, sie müssen auf jeden Fall kleiner sein als ausgewachsene
Gnome. Kamba ist überrascht zu hören, dass Imrik aus einem Ei geschlüpft ist,
was ihn eine Weile fasziniert. Imrik kennt das Wort Oviparie nicht, erklärt
Kamba aber das Konzept. Bevor er Imrik peinliche Fragen über die Fortpflanzung
bei Drachengeborenen stellen kann, spürt er mehrfach eine fast unsichtbare wie
magische Hand die ihm ins Ohr langt, ins Auge piekst oder generell ablenkt. Die
Quelle ist schnell gefunden und Jolnie, dem das mit den Gnomenkindern etwas
übel aufgestoßen ist.
Am späten Vormittag passiert die Gruppe den Wasserfall von
Herbstblatt, der aber entweder nicht hier ist oder sich versteckt hält. Alle
trocknen sich an einem kleinen Lagerfeuer, dass in respektvollem Abstand
entfacht wird, eine kurze Pause vor dem letzten Anstieg. An der Höhle
angekommen gibt es keine neuen Spuren, auch der Schimmel am Eingang ist dank
thermischer Abtragung nicht zurück, was das Eindringen diesmal einfacher macht.
Drinnen hören die scharfen Ohren von Marl leises Stöhnen aus Richtung der Klippe,
die Volvir zu gefährlich war. Beherzt turnt Marl in die Finsternis, bevor man
ihn vor den rutschigen Pilzen warnen kann. Helm steht ihm aber bei, und außer
dass er sogar noch lauter ist als erwartet, passiert ihm nichts. Ganz leicht
sei der Abstieg, alles kein Problem, ruft er halblaut hinauf. Imrik befestigt
trotzdem ein Seil und folgt ihm, dicht dahinter Kamba, mit Jolnie auf dem
Rücken. Vaela macht das Schlusslicht. Zu ihrem Unglück ist mittlerweile das
Seil einige Male in den Pilzteppich geklatscht, und ziemlich glitschig. Es
rutscht ihr auch prompt aus der Hand, und sie saust mit einem Aufschrei nach
unten. Kamba wirft sich heldenhaft nach vorn, um sie galant zu fangen, fängt
aber als Dank für seine Bemühungen hauptsächlich ihr Knie, mitten ins Gesicht.
Beide gehen in einem leise stöhnenden Haufen zu Boden, außer einem roten Fleck
auf Kambas Stirn und einigen blauen Flecken quer über Vaela ist aber nicht viel
passiert. Beide stehen auf, das Stöhnen wird aber nicht leiser, und stammt auch
nicht von den beiden. Weiter vorne in der Finsternis ist jemand, oder etwas. Es
klingt vage humanoid, aber irgendwie auch etwas feucht. Die Pilzfäden, die
überall von der Decke hängen, werden dichter, und das schwache Licht vom
Höhleneingang dringt kaum bis hierher vor. Während Vaela und Marl sich um
Lichtquellen kümmern, schleicht Imrik vorsichtig vorwärts, er braucht im
Dunkeln keine Hilfe. Der Tunnel windet sich scharf nach links unten, und gleich
nach der Biegung sind mehrere seltsame Beulen an der Wand, wie riesige Tumore
aus Myzel, aus denen noch seltsamere Pilze sprießen. Imrik inspiziert den
nächsten näher, fünfstrahlig ist er, und glänzt an einer Stelle metallisch.
Seine Augen weiten sich im Dunkeln, als das Metall sich als eiserner Ring
herausstellt, der an einer komplett von Hyphen umsponnenen Hand steckt. Er hebt
seinen Blick und starrt direkt in das Gesicht eines toten Grauwanderers, der
von einer Schicht Pilzen überzogen ist wie von einem lebenden Leichentuch, dass
sich von ihm ernährt. Der Blick des Waldläufers schweift langsam den Gang
entlang, der sich knapp voraus zu einer Höhle erweitert, und er kann mehrere
weitere Leichen ausmachen, teilweise humanoid, teilweise von Tieren. Nicht nur
Leichen, an der Wand neben ihm zuckt ein Dachs in den letzten Momenten seines
Todeskampfes. Die Nackenstacheln des Drachengeborenen stehen im rechten Winkel
zu seinem Kopf und er zischt unwillkürlich.
Allein will er sich diesem Grauen nicht stellen, er ruft
seine Freunde zu sich, und gemeinsam rücken alle in die schaurige Pilzgrotte
vor. Sie ist ein weiterer Garten aus verschiedensten Fungusformen, die fast
kniehoch und in vielen Farben den Boden bedecken. Die Luft ist schwer mit
Pilzsporen, die im Hals kratzen, als würden sie sofort beginnen, sich dort
breit zu machen. Gleich neben dem Eingang findet sich die Quelle des Stöhnens,
zwei weitere Grauwanderer, die zu ihrem Glück, oder vielleicht Pech, in ihrem
Hyphengefängnis noch am Leben sind. Das Auftreten der Helden erweckt auch vier
Pilzzombies, die sich urplötzlich aus den Bewuchs erheben und angreifen. Die
relative Stille der Höhle wird von Kampfgeräuschen zerrissen!
In den ersten hektischen Momenten erlegt ein blitzschnell
geschossener Pfeil von Imrik gemeinsam mit einem fast ebenso schnell
geschwungenen Schwert von Marl den ersten Pilzzombie. Das Kräfteverhältnis
verschiebt sich trotzdem gegen die Helden, denn wie zur Antwort stürmt mit
donnernd klatschenden Schritten ein wahrer Hüne von Zombie aus der Finsternis
und wirft sich stumm in den Kampf. Der Auserwählte Helms fordert ihn mit einem
lauten Kampfschrei zum Duell heraus, und hält das Wesen samt seiner Schergen heldenhaft
in Schach, während seine Kameraden sich formieren. Alle Ziele werden von den
Fernkämpfern mit magischem Feuer und Pfeilen überschüttet, Kamba springt seinem
Feind persönlich entgegen. Er tritt ihm so fest in das halb zerflossene
Antlitz, dass die Zähne fliegen, stößt sich von ihm ab und fliegt in hohem
Bogen gegen den Riesenpilz, den Marl schon ordentlich zurechtgestutzt hat. Die
Ferse des Mönchs trifft ihn mit einem feuchten Klatschen mitten auf den bunten
Hut, der in zwei Hälften zerbirst und alles um sich mit fauligem Sekret
beschmutzt, während sein Besitzer wie ein vom Blitz getroffener Baum umstürzt,
dutzende seiner kleinen Artgenossen bei der Landung zerquetschend. Zwei weitere
Zombies werden in Windeseile erschossen oder erschlagen, doch einer fehlt? Marl
deutet auf die Nische mit den beiden Grauwanderern und stößt eine Warnung aus,
das Wesen schlurft auf die Hilflosen zu. Ob sein grauenhafter Intellekt
ausreicht um zu verstehen, dass die Helden hier sind um die Beiden zu retten?
Einerlei, Jolnie versengt ihm den Rücken, was es lang genug innehalten lässt,
damit Marl durch den hinderlichen Bewuchs stürmen und es erlegen kann.
Nachdem keine weiteren Schrecken aus dem Dunkeln wandern,
schneiden die Helden so schnell wie die Vorsicht erlaubt die beiden
Überlebenden Wachen aus den Pilzen. Der Beschreibung nach ist eine davon
Purian, und laut ihrem Amulett trägt die andere den Namen Neole. Jolnie und
Imrik sind beide halbwegs in den Heilkünsten bewandert und untersuchen sie.
Zuerst glauben sie gramerfüllt, dass ihre Patienten weit jenseits der Rettung
sind und kramen schon nach ihren Dolchen, um ihnen den Gnadenstoß zu geben. Doch
bevor sie so einen schicksalshaften Schritt gehen vergleichen sie noch ihre
Erkenntnisse, und bemerken den Göttern sei dank, dass sie sich geirrt haben. Es
besteht noch Hoffnung, doch Eile ist geboten. Ein Mittel zur Emesis wird
angerührt und den beiden gegeben, zusammen mit etwas Heilmagie stabilisiert es
die zwei so weit, dass sie zumindest nicht mehr in Gefahr sind, sofort zu
sterben.
Marl und Jolnie versorgen die beiden, die zwar am Leben,
aber übel mitgenommen sind, und kaum einen geraden Satz herausbringen.
Unterdessen stöbert Imrik in den lokalen Pilzen herum, er hat wieder einige
Dinge glänzen gesehen. Die gute Nachricht ist, dass unter dem Teppich einige
wertvolle Dinge sichtbar sind, zum Beispiel eine nur leicht angelaufene
silberne Halskette, ein ziemlich mitgenommener Lederbeutel der aussieht, als
würde er einige Münzen enthalten, ein Schriftrollenbehälter und ein paar verdächtig
unversehrt aussehende Fellstiefel. Vorher erwähnte schlechte Nachricht ist,
dass all diese Dinge hier sind, weil die Helden im Endeffekt in pürierten
Leichen stehen, es sind die unverdaulichen Überreste der Opfer des
Mörderpilzes, der die Höhle auskleidet. Da es ohnehin schon zu spät ist zu
vermeiden hinein zu steigen, kratzen die Helden vorsichtig Schicht um Schicht
weg. Die Vorsicht war angebracht, aus dem Beutel ergießt sich ein Strom
beißender und schnappender Insekten, wie seltsame, bline Termiten. Vaela
appelliert mit magischem Wort und Klang an Kambas Geschicklichkeit, der so
inspiriert den Beutel intakt bergen kann und auch seine Finger behält. Es folgt
eine kurze Pause, während Jolnie sein beliebtestes und praktischstes Ritual
spricht, an dessen Ende feststeht, dass die Stiefel magisch sind und wohl vor
Kälte und ihren Auswirkungen schützen. Die Stiefel sind aber nur halb so
interessant wie das Amulett, dass der Zauberer erkennt. Es identifiziert eine
der Leichen als Mitglied eines Zirkels zurückgezogen lebender Alchemisten, die
Bruderschaft der geheimen Zutat, deren festungsartiges Hauptquartiert einige
Tagesreisen südlich von Tiefwasser in der Wildnis liegt. Der
Schriftrollenbehälter, geschickt geschnitzt aus einem hoffentlich tierischen
Oberschenkelknochen, ist ebenfalls interessant. Also vielmehr sein Inhalt.
Zuerst ist Jolnie noch enttäuscht, dass es keine magische Schriftrolle ist,
sondern ein codierter Brief, aber als er diesen geknackt hat und die Zeilen
überfliegt, heben sich seine geschwungenen Augenbrauen. Der Tote vor ihm ist
vermutlich ein gewisser Bruder Telmann, und seine Anweisungen waren, hierher zu
gehen und den “Schlacketalg” an der Quelle des Baches auszustreuen, und seine
Effekte auf Flora, Fauna und Anwohner zu dokumentieren. Die Alchemisten hatten
aber wohl die Effektivität der Substanz weit unterschätzt, weshalb eines ihrer
ersten Opfer wohl der Alchemist selbst war. Jedenfalls ist dieses Teufelszeug
schuld an dem gigantischen Pilz, der hier wächst, und an der Zombiekrankheit, der
schon so viele zum Opfer gefallen sind. Während Jolnie und Vaela schon
verschieden schwere Rachegedanken gegen diese fernen Alchemisten hegen, hat
Marl mit Unterstützung von Kamba und Imrik, der einen leichteren Weg zurück zum
Eingang gefunden hat als die Kletterpartie, die Versehrten vor die Höhle
gebracht, und ihnen dort ein mehr oder weniger sicheres Lager gebaut.
Die Gruppe vereint sich wieder und erkundet weiter, die
Überlebenden sind zwar gerettet, aber die Gefahr nicht gebannt, bis die Quelle
gefunden ist, sowohl des Flachs als auch des Pilzes, was wohl in direktem
Zusammenhang steht. Zuerst aber finden die Helden eine Höhle, die auffällig
pilzfrei ist, dafür übersät von Löchern verschiedenster Größe. Der Grund für
den Pilzmangel sind wohl die Bewohner dieser Löcher, gewaltige Hundertfüßer,
die sich vorsichtig aber offensichtlich hungrig in Richtung der verlockenden
Heldenfüße schieben, bis sie mit Fackeln wieder auf Abstand gebracht werden.
Die Gruppe bildet einen engen Kreis, Fackeln nach außen, und traversiert so
langsam aber sicher wie ein brennender Igel den Raum. Am anderen Ende sicher
angekommen verscheucht das Fackellicht die letzten hartnäckigen Insekten. Hier
verengt sich die Höhle in einen längeren Gang, an dessen Ende ein Schacht nach
oben in der Finsternis verschwindet. Marl hat anscheinend seine Begeisterung
fürs Klettern gefunden, er turnt Hand über Hand hinauf wie eine Bergziege über
eine sanfte Weide, befindet oben alles für sicher, und befestigt für die
anderen ein Seil als Aufstiegshilfe.
Voraus finden die Helden eine weitere Ausformung der
Kategorie Pilzgarten, diesmal sehr dramatisch unter einer gewölbten Decke von
der viele Stalaktiten hängen, wobei einige mit ihren darunter liegenden
Stalagmiten schon imposante Säulen gebildet haben. Kamba mahnt alle zur
Vorsicht, hier werden sicher Feinde im Verborgenen lauern. Alle stimmen ihm zu,
man beobachtet vorsichtig vom Gang aus das sporenumwölkte Feld voraus. Und
tatsächlich, zwischen all den anderen Pilzen, verborgen hinter den Felssäulen,
stehen zwei mannshohe Pilze mit violettem Stamm und seltsamen bezahnten
Öffnungen auf dem Hut. Kreischerpilze, zweifelsohne bereit Alarm zu schlagen
und Verstärkung zu wecken. Die sehen die Helden auch, mindestens fünf, wenn
nicht mehr Zombies liegen in der Höhle verteilt, und zwei Haufen Pilzgeflecht
entpuppen sich als zwei weitere der Pilzhünen. Eine nicht zu unterschätzende
Gefahr, auch weil die Gruppe schon wieder einige ihrer Reserven aufgebraucht
hat. Aber so weit gekommen, will man nicht schon wieder umkehren, wer weiß wie
weit die Fäulnis schon den Flach hinunter gewandert ist, und wer weiß wie lang
Volvir zurück beim Schneehasen mit seinen Heilkünsten die Katastrophe in Schach
halten kann.
Nach langer Diskussion ist ein Plan gefasst, der schnell
umgesetzt wird. Kreischer können Licht wahrnehmen, die Zombies und Giganten
orientieren sich laut Jolnie eher an Erschütterungen im Boden und Geräuschen.
Also schießen er und Imrik mit präziser Magie und Pfeil die beiden Pilze
kaputt, bevor Jolnie eine magische Fiepsstimme beschwört, die von der
gegenüberliegenden Wand die Pilze wüst beschimpft. Die Söhne von Schimmel
reagieren gereizt, auch wenn sie die Worte wohl nicht verstehen, und versammeln
sich um die Geräuschquelle, wobei ihre Gliedmaßen blind durch die Luft
peitschen. In der akustischen Deckung wollen sich alle auf die andere Seite
schleichen, was unterschiedlich gut funktioniert. Kamba und Imrik gleiten wie
Schatten durch die Pilze, Jolnie und Vaela machen kaum Geräusche, und alles
geht auch für Marl gut, bis er unglücklicherweise auf die Reste eines der
Kreischer steigt und etwas Luft durch eine der Öffnungen drückt, was einen
kurzen, spitzen Schrei erzeugt. Das ist genug um einen der Pilzgiganten
herumfahren zu lassen, aber nach einem kurzen panikerfüllten Sprint sind alle
aus der Höhle und aus der Reichweite der Erschütterungssinne des Wesens, das
eine Weile in der Finsternis herumtastet, bevor es aufgibt und zu seinen
Kameraden zurückkehrt, welche die Stimme mittlerweile ignorieren und einfach in
der Gegend stehen. Alle atmen auf und folgen dem lauter werdenden Geräusch
plätschernden Wassers durch einen weiteren Gang.
Die Quelle des Geräusches ist auch die Quelle des Flachs,
und war wohl vor langer Zeit die Quelle der Kräfte, welche dieses Höhlensystem
in den Stein gespült haben. Die Höhle ist langgestreckt und nach oben hin
teilweise offen, einzelne Strahlen Tageslicht stechen durch die Finsternis. Wo
sie den Boden erhellen sieht man an der Südseite des Raumes ein großes
Quellbecken, in das eine Vielzahl teilweise armdicker Pilzranken führen, die
sich aber generell über den ganzen Raum erstrecken. Im Zentrum dieses Teppichs
liegt ein mehrere Meter durchmessendes Gebilde, dass stark an ein bläulich
verfärbtes Gehirn erinnert. Es ist bedeckt von einem Netzwerk aus dunklen,
venenartigen Gebilden, die von vor Feuchtigkeit glitzernden Membranen bedeckt
sind und pulsierend in Stein und Wasser führen. Hier ist der Ursprung des
Übels, diesen Pilz gilt es auszumerzen. Vaela ruft zum Angriff, Jolnie brennt
dem Unding erstmal Feuer auf den Pelz, was die feuchte Masse irgendwie weniger
beeindruckt als erhofft. Kamba überbrückt die Distanz mit wenigen ausladenden
Schritten und tritt das Hirn kräftig. Neben dem erhofften Zerebraltrauma
entsteht auch eine Wolke kränklich-grüner Sporen, die in einem Strahl scheinbar
gezielt ins Gesicht des Mönch gefeuert werden, der mehrmals laut hustet, bevor
er zu Boden fällt. Vaela wendet ihre letzte Heilmagie auf, um ihn wieder zu
Bewusstsein zu bringen, während Marl in den Kampf stürmt und Imrik Pfeile
fliegen lässt. In Bedrängnis geraten stößt das Pilzhirn einen Schwall an Myzel
aus, der sich in windeseile zu einer humanoiden Gestalt vereint, und auf die
Beine kommt. Eine weniger robuste Form der Pilzzombies, die trotzdem eine
Bedrohung darstellt, vor allem wenn man von telepathischen Angriffen wehrlos
gemacht worden ist. Einen solchen lässt das Ding gleich anschließend auf Marl
los, kann aber unter all den Schichten rechtschaffenen Zorns seinen Geist nicht
finden. Während dieser noch sein Schwert hebt, wird auch er mit Sporen
bespuckt, die als Reaktion auf Pfeile und Armbrustbolzen aus der zweiten Reihe
hervorschießen. Mit Helms Segen erträgt der Recke den Angriff stoisch, er wankt
aber trotzdem etwas.
Jolnie nutzt seine Position weiter hinten und studiert das
Wesen. Es scheint gegenüber der meisten Elementarangriffe immun oder zumindest
resistent zu sein, eventuell eine Nebenwirkung seines alchemischen Ursprungs.
Physische Angriffe vermögen etwas mehr auszumachen, aber die Zeit arbeitet
gegen die Helden, es wird wohl versuchen so schnell wie möglich Pilzwesen zu
seiner Verteidigung zu erschaffen, während es alle Angreifer mit schwerem
geistigen Geschütz beharkt. Außerdem ist es der Nexus des Pilzes in der Höhle,
die Zombies und Hünen sind ebenfalls Teil von ihm, es ist also nur eine Frage
von wenigen Momenten, bevor Verstärkung von anderswo kommt. All das hören die
anderen in schnellem Jolniestakkato vorgetragen. Davon zur Eile angespornt
geben Marl und Kamba alles. Marls Schwert ist komplett von Sporen und Schleim
verklebt und wirbelt wie eine Windmühle, Kambas donnernde Fäuste erschaffen
eine Bresche in der Pilzschicht, und er kann mit Marl gemeinsam das freilegen,
was wohl als der Hirnstamm dieses Dings durchgeht. Doch bevor sie den Todesstoß
anbringen können übermannt sie der paralytische Pilz, und sie fallen neben
ihrem Feind in die Mischung aus Schleim und Sporen. Der Pilzzombie versucht
Marl den Rest zu geben, schafft aber nicht seine ungeschickten Hände an dessen
Rüstung vorbei um seinen Hals zu schließen.
So von seinen unmittelbaren Bedrohungen befreit, wendet sich
der Pilz den anderen Feinden zu. Jolnie wirft heldenhaft einen Speer nach dem
Wesen, der aber knapp am Ziel vorbeigeht und mit einem Platschen in den Flach
fliegt. Irgendwie scheint das Ding zu wissen, dass er keine weiteren Mittel hat
um ihm gefährlich zu werden, also wirft es seine geballte mentale Macht gegen
Imrik, und drückt ihm gefühlt fast das Hirn aus den Schädel. Taumelnd, aus Nase
und Ohren blutend, legt der Drachengeborene seinen Pfeil an, blinzelt
Schmerztränen aus seinen Augen und zielt durch scharlachrote Migräneschleier
hindurch auf sein Ziel. Die Bogensehne singt, der Pfeil saust durch die Luft,
und versinkt mit einem schleimigen Klatschen exakt in der Mitte von Kambas
Bresche. Ein Geräusch wie ein platzender Luftballon ertönt, gefolgt vom
Geräusch eines langsam entweichenden Riesenfurzes, und der Schlacketalgpilz
haucht sein unnatürliches Leben aus, während die dunklen Venen krampfartig
zuckend eine nach der anderen reißen. Mit einem Mal wird die Luft in der Kammer
merkbar besser, der Pilzmann bei Marl kollabiert in einen stinkenden Haufen,
und sowohl Krieger als auch Mönch können sich wieder rühren.
Die Helden sind einmal mehr knapp siegreich, die Reaktion
fällt unterschiedlich aus. Marl jubelt, dankt Helm, und beginnt ein
viertelstündiges Gebet. Vaela dichtet an Ort und Stelle die ersten Zeilen der
Sonate des Pilzmonsters. Jolnie macht sich etwas fanatisch grinsend über die
Rest des Pilzes her und verwertet ihn zu Zauberkomponenten. Imrik späht
vorsichtig in die vorherige Höhle und bestätigt die Hoffnung aller, dass mit
dem Tod des Hirns auch die mobilen Formen verendet sind, überhaupt scheinen die
Pilze rapide auf dem Rückzug. Kamba sitzt am Rande des Geschehens, die Füße im
kühlen Flach, sieht den Fahnen aus Sporen zu, die das Wasser von seinem Körper
wäscht, und versucht sich zu erinnern, welche Abfolge aus Entscheidungen ihn an
diesen Ort geführt hat. Marl weckt ihn schließlich aus seinen Überlegungen, und
nimmt ihn mit vor die Höhle, um nach den beiden Wächtern zu sehen. Diese lehnen
zu beiden Seiten eines kleinen Feuers an den Felsen, und haben sich ein wenig
erholt, Purian geht es schon wieder gut genug, dass er seinen Rettern danken
kann. Sonst ist nicht mehr viel zu berichten, im Lager des Pilzgrizzlies finden
sich die Knochen vieler Tiere und einiger Humanoider, das Wesen hat hier wohl
schon lang vor seiner Infektion gelebt, und noch einiges an Schätzen, die
Jolnie katalogisiert und verwahrt.
Purian kann aus eigener Kraft gehen, Neole wird eine
behelfsmäßige Trage gebaut. So geht es, diesmal ohne Begegnungen, zurück zum
Schneehasen, wo die Wund aller behandelt werden. Purian erholt sich dank Volvir
rasch, noch am selben Abend bespricht er die Geschehnisse mit Vaela und
verspricht, den Helden ein Empfehlungsschreiben für die Magister in Tiefwasser
mitzugeben, bis morgen soll es fertig sein! Vaela erwähnt, dass er ihnen doch
irgendwie sein Leben zu verdanken hat, und ob die Garnison nicht auch etwas
unmittelbare Entlohnung auf der hohen Kante hat. Die Garnison nicht, aber
Purian selbst hat sein mühsam fürs Alter erspartes Geld draußen im Wald
vergraben, er ist so dankbar, dass er Vaela den Ort offenbart und sagt, sie
kann sich nehmen soviel sie glaubt dass ihr zusteht. So persönlich wollte die
Bardin die Sache auch nicht machen, sie hat Gewissensbisse und entscheidet sich
am Ende, dass die Helden das Geld nicht so dringend brauchen.
19.04.
Der gestrige Tag war sehr ereignisreich, der jetzige ist es
im Vergleich nicht. Pip hat sich die ganze Geschichte beim Frühstück erzählen
lassen und ist begeistert, dass die Helden eine so wichtige Institution der
langen Straße wie den Schneehasen gerettet haben, er bezahlt alle für zwei
Tage, und legt noch ein bisschen was drauf. Am Vormittag kommt dann auch die
Zivilisation zum Schneehasen, in Form von Verstärkungen aus Tiefwasser, eine
große Gruppe Soldaten samt Unterstützungstross, begleitet von einem Magier, ein
Magister von Tiefwasser. Der etwas beleibte Kerl ist sichtlich erleichtert hier
keine gefährliche Arbeit verrichten zu müssen. Er hört sich höflich aber mit
mäßigem Interesse den Bericht der Gruppe an, die meiste Arbeit übernimmt sein
Schreiberling, nur bei der Erwähnung der Alchemisten fragt er etwas nach und
macht sich selbst einige Notizen. Während die Soldaten ihr Lager aufschlagen
und sich bereit machen, die Gegend nach übrig gebliebenen Zombies und Monstern
im Allgemeinen zu durchkämmen, zieht die kleine Karawane wieder weiter. Das
Wetter ist gut, und die Straße voraus von allen Bedrohungen leergefegt, die
Soldaten haben sich wohl herumgesprochen. So passiert man die Gruftgärtenwälder
ohne Zwischenfall, und schlägt Abends an einem großen Lagerplatz selbiges auf,
laut Pip kann man morgen schon den Abstieg in die Ebene beginnen und übermorgen
Tiefwasser erreichen!
In der Nacht sieht Jolnie während seiner Wache ein seltsames
Kaninchen am Rande des Lagers. Es wirkt für ein Fluchttier sehr selbstsicher,
fast schon aufdringlich. Er beschwört seine ihm innewohnende Gnomenmagie und
spricht mit dem Wesen, dass ganz schon vorlaut und fast aggressiv ist. Es
verlangt, dass Jolnie ihm folgt, was dieser absolut nicht vorhat. Da stößt das
Langohr noch eine vage Drohung aus und verzieht sich. Im Nachhinein ist sich
Jolnie nicht ganz sicher, ob er wirklich seine Magie benutzt hat, um mit dem
seltsam soziopathischen Lagomorphen zu kommunizieren. Einerlei, die Nacht
vergeht sonst ruhig.
20.04.
Das Wetter ist gut, nur in der fernen Ebene, die jetzt
sichtbar wird, sammeln sich einige dunkle Wolken. Aber auch in der Nähe
verfinstert sich etwas, nämlich die Mienen der Gefährten von Vaela und Marl.
Die beiden kehren von einer Patrouille zurück, und faseln komplett aufgebracht
davon, dass alle zu “dem Turm!” müssten, und zwar jetzt, und unbedingt und es
ist die beste Idee aller Zeiten zum Turm zu gehen, diesem Turm, ach der Turm er
ist so gut, der turmigste Turm der jemals türmte, sie müssen un-be-dingt dort
hin! Jolnie kommt das sehr verdächtig vor und er weigert sich. Imrik und Kamba
sind ratlos, aber irgendwie neugierig, denn die zwei wissen wohl WO der Turm
ist, aber nicht WARUM sie das wissen. Pip lässt sich überreden, dass seine
Wachen einem weiteren wilden Gerücht nachgehen, sie sind ohnehin nahe des
Abendlagers, zwei Kehren weiter unten ist es, dort werden sie bis zum Morgen
warten. Jolnie wird so halb überredet, und es geht in die Wildnis.
Nach einer halben Stunde, in der man einem
Trampelpfad folgt den Vaela und Marl plötzlich gut kennen, findet sich auf
einer Lichtung ein kleines Amulett aus Kupfer auf einem Baumstumpf, mitten im
Weg. Während alle noch um den verdächtig offensichtlich auf dem Weg drapierten
Schmuck herumstehen, hören sie aus dem Gebüsch ungeduldiges Getuschel von
mindestens zwei Wesen, die mit kaum unterdrücktem überdrehtem Lachen warten,
dass die Helden die Kette nehmen. Und die ziemlich beleidigend werden, alles in
allem. Sämtliche Appelle sich zu stellen oder zumindest zu erklären werden mit
weiterem nervtötenden Gekicher, Zweifel an der Intelligenz der Helden und
anderen Possen beantwortet. Als Vaela in einem unbeobachteten Moment das
Amulett schnappt, erreicht die Sache ein Kreszendo. Die beiden Wesen sticheln
unentwegt gegen alle in der Gruppe, vor allem Jolnie wird als Gnom ein Ziel der
Wesen, die wohl Feen sind. Dann beleidigen sie die Drachenherkunft von Imrik,
womit sie eine der wenigen wirklichen Schwachstellen in seinem Charakter
anstoßen. Wütend stellt er seine Stacheln auf, legt einen Pfeil auf die Sehne
und verlangt alles andere als freundlich, dass die Kreaturen sich sofort
stellen mögen. Das zwingt sie zu etwas Ernst und Ehrlichkeit, sie tun aber
sofort auch beleidigt und ganz verletzte Unschuld. Immerhin geben sie zu, dass
sie Feendrachen sind. Das hat auch Wirkung auf Imrik, dessen Wut sichtlich
verraucht, und von genervter Resignation ersetzt wird. Feendrachen, soviel weiß
er von seiner Mutter, sind unverbesserliche kleine Scherzbolde, entfernt
verwandt mit echten Drachen, die felsenfest davon überzeugt sind, die absolut
schlausten und lustigsten Kreaturen der Ebenen zu sein, und zwar jeder für sich
selbst am Meisten. Jolnie, als Gnom auch verbunden mit dem Feywild, hat
unterdessen die Attacken auf seinen Gnomencharakter noch weniger verkraftet,
und wird als Antwort auf seine Forderungen in einen Hasen verwandelt, der dann
(ironischerweise) fuchsteufelswild herumtobt. Vaela will die Wogen glätten, was
ihr nur mäßig gelingt, die Situation wogt hin und her, bis Jolnie sich von dem
Zauber befreit. Er hat endgültig die Nase voll und kündigt an, dass er die
unsichtbaren Scherzbolde jetzt magisch aufspüren und zur Rechenschaft ziehen
wird. Das mögen die Angesprochenen gar nicht, und ein Kampf scheint sich
anzubahnen?